Palast der Raucher, Tabakfabrik

Mit dem Neubau der 1850 gegründeten Tabakfabrik an der Unteren Donaulände durch die Architekten Peter Behrens und Alexander Popp entstand der erste große Stahlskelettbau in Österreich. Der Baubeginn erfolgte im Jahr 1930 mit dem geschwungenen Zigarettenfabrikationsgebäude und dem Tabakspeicher 2. Seine Länge von 226 Metern hatte für damalige Linzer Verhältnisse gigantische Ausmaße. Zwei Jahre später wurde an der Unteren Donaulände das Gebäude der Pfeifentabakfabrikation, ebenfalls als Stahlskelettbau, errichtet. Auf Grund von finanziellen Schwierigkeiten erfolgte die nächste Bauetappe mit dem Kraftwerk im Innenhof erst 1934/35. Zuletzt wurden der Innenausbau mit dem charakteristischen Design sowie die Einrichtung mit Maschinen durchgeführt.

Am 12. November 1935 fand die feierliche Eröffnung der neu errichteten Fabrik statt. Durch eine sich über alle Bereiche durchziehende einheitliche Gestaltung gilt die Tabakfabrik als Gesamtkunstwerk im Bereich der Industriebauten.
Neben ihrer baulichen Einzigartigkeit war die Tabakfabrik auch als Arbeitgeberin ihrer Zeit voraus. Die Arbeiterfürsorge war bereits früh sehr hoch entwickelt und schuf damit vor allem für Frauen einen sehr attraktiven Arbeitsplatz. Schon vor dem Neubau waren die Arbeitsräume überdurchschnittlich großzügig, die Durchlüftung sowie der Schutz vor Staub fortschrittlich ausgebaut. Den Arbeiterinnen und Arbeitern standen Waschräume inklusive Handtüchern und Seife zur Verfügung und sogar eigene Bäder durften während der Arbeitszeit benützt werden. Die medizinische Versorgung vor Ort war sehr gut ausgestaltet.

Vor allem für Frauen wurde gut gesorgt. Sie mussten keine Arbeiten verrichten, die ihnen einen gesundheitlichen Nachteil bringen konnten (d.h. Schlepparbeiten etc.), sie hatten neben dem gesetzlichen Mutterschutz noch zwei bezahlte Urlaubswochen zur Verfügung und im ersten Jahr nach der Geburt gab es ein innerbetriebliches Säuglingsheim. Ab 1939 stand sogar ein Kindergarten zur Verfügung. Auch in punkto Sicherheit war man stets der Zeit voraus und sorgte mit einem umfassenden Maßnahmenpaket für eine möglichst ungefährliche Arbeitsumgebung.

 Palast der Raucher - Tabakfabrik 1960 - Untere Donaulände 74

Palast der Raucher - Tabakfabrik 1960

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