Meilensteine der Stadtentwicklung. Linz 1945 - 1984

Unter dem Titel „Meilensteine der Stadtentwicklung. Linz 1945 – 1984“ skizziert das Archiv der Stadt Linz in einer Ausstellung anhand großformatiger Schautafeln die wirtschaftlichen, kulturellen und gesellschaftspolitischen Eckdaten in der jüngeren Geschichte der Stadt. Ergänzt wird die mit interessantem historischen Fotomaterial belegte Ausstellung mit Film und Videobeiträgen aus den verschiedenen Jahrzehnten. ORF-Beiträge aus den 70er Jahren geben Zeugnis vom kultur- und gesellschaftspolitischen Geschehen in der oberösterreichischen Landeshauptstadt. Ein von der Stadt Linz produzierter Film eröffnet ebenfalls Einblicke in die Zeit zwischen Kriegsende und 1984.

Die Ausstellung basiert auf dem Buch "Linz zwischen Wiederaufbau und Neuorientierung 1945 - 1984 (Linz-Bilder 3)".

Zur Publikation "Linz zwischen Wiederaufbau und Neuorientierung 1945 - 1984 (Linz-Bilder 3)"

Linz zwischen Wiederaufbau und Neuorientierung 1945 - 1984

Linz-Bilder 3

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Zum Inhalt "Linz zwischen Wiederaufbau und Neuorientierung 1945 - 1984"

Herausgeber: Fritz Mayrhofer und Walter Schuster
ISBN 978-3-900388-89-8
Linz 2007, 226 Seiten, 296 Abbildungen

Erhältlich im Buchhandel oder beim Archiv der Stadt Linz.

Bilder der 2008 veranstalteten Ausstellung

Stadtentwicklung

Im Jahr 1938 hatte Linz noch 112.000 Einwohnerinnen und Einwohner gezählt, nach Kriegsende waren es 200.000. Wegen der Bombenschäden und durch den Zuzug von Flüchtlingen nach Kriegsende lebten 45.000 Menschen in Barackenlagern. Berühmt wurde der Ausspruch von Bürgermeister Ernst Koref, Linz sei von einer Barockstadt zur Barackenstadt geworden. Gegen die Wohnungsnot wurde ein Wohnbauprogramm gestartet. Neue Stadtteile entstanden und auch die öffentliche Infrastruktur wurde ausgebaut.

Konsum, Freizeit, Sport

Die erste Nachkriegszeit war geprägt von Hunger und Not. Erst mit dem Wirtschaftsaufschwung in den frühen Fünfzigerjahren und dem damit verbundenen Ansteigen der Löhne und Gehälter verbesserte sich die Lage der privaten Haushalte. Dem anfänglich fehlenden Angebot an Gebrauchsgütern – es gab in Linz kein Warenhaus – wurde mit der Wiedereröffnung des Kaufhauses „Kraus und Schober“ 1949 abgeholfen. 
In der Freizeitgestaltung nahmen die wieder instandgesetzten bzw. neu geschaffenen Sportplätze sowie das 1952 auf der Gugl eröffnete Stadion einen besonderen Rang ein. Erholung abseits des Sports wurde durch Grünflächen und Parks ermöglicht, wie etwa durch den neuen Botanischen Garten auf dem Bauernberg. Die Besucherzahlen der Kinos erreichten in den Fünfzigerjahren ihren Höhepunkt. Die späten Fünfzigerjahre markieren auch die Zeit, in der eine eigenständige Jugendkultur zu entstehen begann. Ein gemeinsames Generationengefühl entwickelte sich durch überwiegend gleiche Interessen und Vorlieben von Jugendlichen aller Schichten.

Kultur und Bildung

Bereits in den allerersten Nachkriegsjahren wurden mit der Neuen Galerie, der Kunstschule und der Volkshochschule neue städtische Kultureinrichtungen gegründet. Die Musikschule, die während der NS-Diktatur Parteiorganisationen unterstellt war, wurde nach Kriegsende vorerst in das Brucknerkonservatorium eingegliedert. 1950 gelangte sie schließlich in die Verantwortung der Stadt. Musikschule, Stadtmuseum Nordico und Landeskulturzentrum Ursulinenhof erhielten in den Siebzigerjahren in revitalisierten historischen Gebäuden ihre Heimstätten.

1966 gelangten die viele Jahrzehnte dauernden Bemühungen von Stadt und Land um eine Hochschule mit der Gründung der heutigen Johannes Kepler Universität zu einem erfolgreichen Abschluss. In den Siebzigerjahren folgten mit der Kunsthochschule und der heutigen Katholisch-Theologischen Privatuniversität noch weitere Hochschulgründungen nach. 

Nach langen Planungen und unter großen finanziellen Anstrengungen bekam Linz 1974 mit dem Brucknerhaus ein modernes Konzerthaus. Die Durchführung des Festivals „Ars electronica“ und der Klangwolke erwies sich ab 1979 als entscheidende Weichenstellung für die Positionierung von Linz als moderne Kulturstadt. Als Einrichtungen der alternativen Kulturszene entstanden Posthof und Stadtwerkstatt. Bereits in den frühen Siebzigerjahren wurde mit der LIVA eine eigene städtische Kulturveranstaltungs-GmbH errichtet. Mit der Situierung von Brucknerhaus, Kunsthochschule, Schlossmuseum, Stadtwerkstatt und Neuer Galerie war der Grundstock für die Linzer Kulturmeile an der Donau gelegt.

Industrie und Gewerbe

Die Entscheidung, die in der NS-Zeit errichteten und schwer beschädigten ehemaligen „Hermann-Göring-Werke“, die Eisenwerke Oberdonau und die Stickstoffwerke Ostmark AG wieder aufzubauen, war für die Entwicklung der Stadt Linz prägend. Unter dem Namen „Vereinigte Österreichische Eisen- und Stahlwerke AG“ wurde das Großunternehmen 1946 verstaatlicht.  Der 1973 erfolgte Zusammenschluss mit der steirischen Alpine Montan AG zur VÖEST-ALPINE AG machte den Linzer Stahlerzeuger zum damals größten Industriekonzern Österreichs. 

Die „Österreichische Stickstoffwerke AG“ konzentrierte sich vorerst auf die Erzeugung von Kunstdünger. In der Folge entwickelte sie sich zu einem Chemieunternehmen mit diversifizierter Produktpalette, wovon die Umbenennung in „Chemie Linz AG“ (1973) zeugt.

Daneben galten die eingesessenen Betriebe als Motoren der Wirtschaft: die Kleinmünchner Spinnerei, die 1946 verstaatlichte Schiffswerft, die Solo-Fabrik, die Kaffeemittelfabrik Franck, die Tabakfabrik, die Elektro Bau AG sowie die Brau AG. Hinzu kamen in der Nachkriegszeit eine Reihe von Neugründungen wie die auf Bahnbaumaschinen spezialisierte Firma Plasser & Theurer. Die starke Rolle der vielen Industrie- und Gewerbebetriebe prägte das Image von Linz als dynamische Industriestadt über die Grenzen Österreichs hinaus.