Alltag

Die mit der Industrialisierung heraufbeschworenen sozialen Probleme blieben weitgehend ungelöst. Der technische Fortschritt verlangte einerseits eine höhere Qualifizierung, andererseits gab es durch die Technisierung mehr ungelernte Arbeitskräfte. Fabriksarbeit bedingte eine stärkere Sozialdisziplinierung im Hinblick auf die Pünktlichkeit. Arbeitszeit und Entlohnung in den Industriebetrieben waren stark branchenabhängig.

Zum Alltag gehörte aber nicht nur die Arbeit, sondern auch Fest und Freizeit. Seit der Biedermeierzeit gewann die „Spazierfreude“ und somit der Ausflug als Freizeitgestaltung an Bedeutung. Kaffee- und Gasthäuser waren allseits beliebte Treffpunkte, Turnen und sportliche Betätigung gewannen gegen Ende des 19. Jahrhunderts größere Bedeutung. Zahlreiche Musik- und Gesangsvereine spielten im gesellschaftlichen Leben der Stadt eine große Rolle.
Die alltäglichen Lebensumstände der Arbeiterschaft waren gekennzeichnet durch eine permanente Wohnungsmisere: Mit durchschnittlich 4,85 Personen pro Wohnung war in bestimmten Teilen der Stadt die Belagsdichte wesentlich höher als etwa in Graz oder Salzburg. Der Großteil der Wohnungen bot triste Verhältnisse: In mehr als 47 Prozent der einräumigen Wohnungen hausten um 1900 zwischen drei und fünf Menschen. Abort, Badezimmer oder auch eine Küche waren Seltenheiten.