Julius Erle

Julius Erle kam 1870 als Sohn von Samuel und Theresia (Rosi) Erle, geborene Kafka, in Linz zur Welt. Er wurde von David Kauder beschnitten, als Paten standen Dr. Josef Kohn und Jakob Erle aus Kalladey (Koloděje nad Lužnicí, ČR) bei. Sein Vater Samuel Erle, ebenso in Kalladey geboren, hatte als Beschneider 1823 seinen späteren Schwiegervater Ezechiel Kafka. Letzterer war mit Helena, geborene Kohn, verheiratet, wurde Rabbiner in Miskowitz (Myslkovice, CR) und verstarb dort um 1840. Julius Erles Großeltern väterlicherseits waren der in Kalladey lebende Hausierer Habakuk Erle und Katharina, geborene Fried. Die älteste Schwester von Julius Erle, Sophie, kam 1859 noch in Kalladey zur Welt, die weiteren drei Schwestern bereits in Enns: Esther 1860, Ernestine 1861 und Johanna 1862. Karolina Erle wurde 1864 schließlich in Linz geboren wie auch alle weiteren Kinder von Samuel und Theresia Erle: Eduard 1866, Heinrich 1868, Mathilda 1872, Marie 1875 und Siegfried 1878. Julius Erles Vater ist auf einer Liste der ersten Linzer Juden zu finden, die um die Gründung einer Kultusgemeinde bemüht waren.

Als bereits ein großer Teil der Familie Erle an der Schubertstraße 29 wohnte, lebte Julius Erle 1904 noch selbstständig an der Hauptstraße in Urfahr. Dort betrieb er in einem Gewölbe seinen Gemischtwarenhandel. Doch Ende des ersten Jahrzehnts des 20. Jahrhunderts zog auch er an die Schubertstraße. Dort wohnte ebenso seine Mutter, die 1902 Witwe geworden war. 1915 erhielt Julius Erle die Heimatzuständigkeit nach Linz. Danach starben seine Schwester Ernestine 1917 und sein Bruder Heinrich 1920. 1918 veränderte Julius Erle seinen Handel von Waren ohne Beschränkung an den Standort Humboldstraße 33a und fungierte als offizieller Mieter der Wohnung an der Schubertstraße 29. Im Verhältnis zur Größe der Wohnung beherbergte sie zeitweise sehr viele Mitglieder der Familie.

In den 1930er-Jahren geriet Julius Erle in finanzielle Nöte, er musste schließlich den Konkurs über sein Vermögen anmelden und blieb ab da mittellos in einem kleinen Kabinett an derselben Adresse wohnend. Sein jüngerer Bruder Siegfried galt nun als Mieter der Wohnung. Mit einer Nichtjüdin verheiratet kam Siegfried Erle auch unter der nationalsozialistischen Herrschaft ab März 1938 für Unterkunft und Lebensunterhalt seines älteren Bruders Julius auf. Dies brachte mit sich, dass beide sowohl in Linz als auch in Wien bis zu ihren Deportationen an denselben Adressen gemeldet waren. Julius Erles Schwägerin Franziska Erle kümmerte sich um ihren Schwager gleichermaßen wie um ihren Mann. Sie versorgte die beiden selbst noch nach der erzwungenen Scheidung heimlich mit Lebensmitteln in Wien. Julius Erle musste – früher als sein jüngerer Bruder – bereits am 16. Februar 1941 aus der Wohnung an der Volkertstraße 25 in eine Wiener Sammelstelle übersiedeln und wurde von dort am 19. Februar 1941 nach Kielce in Polen deportiert, was er nicht überlebte. Einen ähnlichen Leidensweg ging auch sein Bruder Siegfried Erle: Er wurde im Juni 1942 nach Minsk deportiert und kam dort um. Ebenso wurde die Schwester der beiden, Karoline Salzer, in Auschwitz ermordet.

(Autorin: Verena Wagner)

Zur Stele in der Denkmaldatenbank

Übersicht der Biographien