Entnazifizierung in Österreich: die Rolle der sowjetischen Besatzungsmacht

Autorin: Barbara Stelzl-Marx

Die sowjetische Besatzungsmacht schlug bei ihrer Entnazifizierungspolitik in Österreich von Beginn an einen eigenen, mitunter widersprüchlichen Weg ein, der zwischen Gnade und Verfolgung hin und her schwankte. Mit der Durchführung der Entnazifizierung betraute sie nahezu ausschließlich österreichische Behörden, kritisierte aber insbesondere seit den Wahlen im November 1945 sowohl die österreichische Regierung als auch die westlichen Besatzungsmächte für ihre viel zu milde Haltung bei der „Nazi-Frage“.
Charakteristisch für die sowjetische Entnazifizierung in Österreich sind die Verhaftungen von tatsächlichen oder vermeintlichen österreichischen Kriegsverbrechern oder etwa von Adolf Hitlers Verwandten. Gerade die scheinbar willkürlichen Verschleppungen in die Sowjetunion haben sich tief in das kollektive Gedächtnis der österreichischen Bevölkerung eingeprägt.