Alice Spitz

Alice Spitz kam 1902 als Alice Schwarz und Tochter des Kaufmannes Siegfried Schwarz und der Camilla, geborene Frank, in St. Pölten zur Welt. Familie Schwarz betrieb dort bereits seit 1847 einen Rohlederhandel und eine Verwertung tierischer Abfallprodukte. Alice Spitz wuchs in St. Pölten mit zwei Geschwistern auf, der älteren Schwester Johanna und dem jüngeren Bruder Hermann. Sie verlor früh ihre Mutter, diese starb 1907 mit 27 Jahren. Aufgrund einer zweiten Ehe des Vaters kam noch ein Halbbruder hinzu. Alice Spitz besuchte in St. Pölten die Handelsschule.

Im Jänner 1922 heiratete sie in ihrer Heimatstadt den Linzer, beruflich als Vertreter und Fabriksteilhaber tätigen, Ernst Spitz und übersiedelte nach Oberösterreich. Ernst Spitz war 1896 als Sohn des Rohlederhändlers David Spitz in Urfahr zur Welt gekommen. Das Ehepaar wohnte an der Mühlkreisbahnstraße 5 beim Vater David Spitz. Im November 1922 brachte Alice Spitz eine Tochter mit Namen Edith Rachel zur Welt. Im November 1935 ließ sich das Ehepaar Spitz scheiden.

Alice Spitz lebte von da an mit ihrer Tochter an der Beethovenstraße 18. Die gelernte Handelsfrau erhielt drei Gewerbescheine: 1933 einen Handel mit Handschuhen sowie Damen- und Herrenmodewaren und im selben Jahr eine Gewerbeberechtigung für das Nähen von Handschuhen. Aufgrund einer Verfügung von David Spitz, sein gesamtes Vermögen seiner Enkelin Edith Spitz zu vererben und die Mutter zur Nachlassverwalterin einzusetzen, wurde Alice Spitz schließlich 1936 auch der Gewerbeschein ihres Schwiegervaters für den Handel mit Rohprodukten an der Fischergasse 2 übertragen. Letzteres Gewerbe, im Mai 1937 verlegte sie es an die Friedhofstraße 8 (heute Friedrichstraße), übte sie deshalb am längsten aus – bis April 1938.

Mit März 1938 war Alice Spitz den nationalsozialistischen Verfolgungen gegen Jüdinnen und Juden ausgesetzt. Im September 1938 musste sie ihre Gewerbescheine zurücklegen. Sie verließ ihre Wohnung an der Beethovenstraße wahrscheinlich unter Druck, denn im September 1938 war sie bei einer jüdischen Witwe, Olga Eisner, an der Badgasse 2, gemeldet. Danach vertrieb man sie weiter nach Wien. Alice Spitzʼ letzte Adresse ist mit Wollzeile 9 im 1. Wiener Gemeindebezirk verzeichnet. Im Mai 1942 wurde sie nach Maly Trostinec bei Minsk deportiert, wo sie kurze Zeit nach ihrer Ankunft umkam. Ihre Tochter Edith hatte sich nach Palästina retten können, ihr Exmann Ernst Spitz nach London.

An der Wollzeile 9 ist für Alice Spitz und zehn weitere Shoahopfer eine Gedenktafel angebracht – als letzter Wohnort vor ihrer Deportation 1942.

(Autorin: Verena Wagner)

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