Leopold Fried

Leopold Fried kam 1925 als Sohn des Emil und der Frieda Fried, geborene Lauer, in Linz zur Welt. Mit Leopold erhielt er den Vornamen seines Urgroßvaters mütterlicherseits, dem aus Eisenstadt stammenden Leopold Tieger (Tiger). Dieser lebte mit seiner Familie in Spitz a. d. Donau, wo Leopold Frieds Mutter als Frieda Lauer zur Welt gekommen war. Frieda Fried zog 1910 mit ihren Eltern und dem jüngeren Bruder Rudolf nach Linz. Sie war gelernte Modistin. Leopold Frieds Vater, in Brünn (Brno, ČR) aufgewachsen, erhielt eine handelsberufliche Ausbildung. Er kämpfte im Ersten Weltkrieg an der Front und geriet in russische Gefangenschaft. Ab Mai 1919 wohnte er in Linz und arbeitete als Vertreter bzw. Reisender.

1923 heirateten Leopold Frieds Eltern, seine Mutter verlor damit ihre Heimatzuständigkeit nach Linz. Zwei Jahre später kam Leopold zu Welt. In demselben Jahr versuchte Emil Fried, nach Prerau in Mähren (Přerov, ČR) zuständig, die Heimatzuständigkeit für sich und seine Familie in Linz zu erreichen, wurde aber abgewiesen. Leopold Fried dürfte seit seiner Geburt gehörlos gewesen sein. Bereits während seiner ersten beiden Lebensjahre scheinen seine Eltern in eine Ehekrise geraten zu sein. Emil Fried soll Frau und Kind im Stich gelassen haben. Er zog in die Tschechoslowakei, erst 1932 kehrte er wieder in die Familie zurück und wohnte mit ihr an der Badgasse 7. 1927 war Leopolds Mutter, Frieda Fried, Besitzerin des Hauses Badgasse 7 geworden und betrieb dort ein Kolonial- und Spezereiwarengeschäft.

Die bis März 1938 nach Přerov zuständige Familie floh aufgrund nationalsozialistischer Vertreibungsmaßnahmen von Jüdinnen und Juden aus Linz nach Brünn und wohnte dort an der Kreuzgasse 63. Die Großeltern Leopold Frieds, Moriz und Bertha Lauer, hatten sich nach Wien geflüchtet. Der gehörlose Leopold Fried dürfte in Brünn bei den Eltern gelebt haben, denn er und sie wurden am 29. April 1942 gemeinsam von Brünn nach Theresienstadt deportiert. Bereits zwei Tage später, am 1. April 1942, verschleppte man die Familie von Theresienstadt nach Piaski. Dort gingen seine Eltern vermutlich in einem der nahe gelegenen Vernichtungslager Bełžek oder Sobibór zugrunde. Nur von Leopold Fried ist ein genaues Todesdatum und ein genauer Todesort erhalten geblieben: Er kam am 31. August 1942 in Majdanek (Vorort von Lublin) zu Tode. Seine Großeltern, Moriz und Bertha Lauer, wurden ebenso Opfer der Shoah, sie kamen 1941 in Minsk um.

(Autorin: Verena Wagner)

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