Walter Schwarz

Walter Schwarz kam 1907 in Linz als Sohn des Bernhard Schwarz und der Berta, geborene Friedländer, zur Welt. Die väterlichen Vorfahren stammten aus Tutschap (Tučapy, ČR), hatten sich aber bereits um 1870 in Gmunden niedergelassen. Die Mutter kam aus dem nordböhmischen Petschau (Becov nad Teplou, ČR). Sie hatte viele Geschwister, wovon einer, Julius Friedländer, das Geschäft der Eltern in Petschau fortführte. Ein Jahr vor der Geburt Walter Schwarzʼ waren seine Eltern nach Linz an die Landstraße 71-75 gezogen, wo das Kind in einem Hinterhaus aufwuchs. Manchmal kam Großmutter Rosa Friedländer aus Petschau zu Besuch. Im Vorderhaus führte sein Vater Bernhard Schwarz bis 1915 ein Geschäft, in dem er selbst erzeugte Waren und Kunstwerke aus Ton, Holz und Bronze verkaufte. Gegen ihn und alle anderen an der Landstraße tätigen jüdischen Geschäftsleute wurde schon früh von antisemitischer Seite zum Boykott aufgerufen. Im Herbst 1913, als sein Vater am Höhepunkt seiner Karriere war, begann Walter Schwarz seine schulische Laufbahn an der Knabenvolksschule an der Spittelwiese. Walter Schwarz war ein kränkliches Kind, hatte gleich im ersten Schuljahr Mumps und Masern und wurde von seinem Lehrer als „sehr schwach“ und „sehr unbeholfen“ beschrieben. Anfangs saß er als einziges jüdisches Kind in der Klasse, später ab der zweiten Schulstufe, die er wiederholen musste, bekam er mit Viktor Feder, Georg Weiß und Walter Pick jüdische Kollegen. Auch der am Hitlerattentat 1944 beteiligte evangelische Robert Bernardis war sein Mitschüler. Am 12. Juni 1920 feierte Walter Schwarz in der Synagoge seine Bar Mitzwah. Im Schuljahr 1923/1924 ist er im ersten Jahrgang der Knabenhandelsschule Linz zu finden. Danach, um 1925, zog er zu seinem Onkel Julius Friedländer nach Petschau, um als Handelsangestellter in dessen Geschäft zu arbeiten.

So wie hinsichtlich der schulischen Laufbahn bei Walter Schwarz vieles im Unklaren bleibt, so verhält es sich auch bei seinem beruflichen Fortgang. 1936 ist er als Handelsangestellter wieder in Linz zu finden, bei seinen Eltern an der Landstraße wohnend. 1938 nannte er sich Hilfsarbeiter bei seinem Vater, der sich nun wiederum als selbstständiger Bildhauer in Holz und Keramik bezeichnete.

Nach dem Einmarsch der deutschen Truppen von den Nationalsozialisten verfolgt, floh Walter Schwarz im Oktober 1938 allein nach Prag. Dort war er noch eine Zeit lang als Tischlergehilfe tätig. Er wohnte im 2. Prager Gemeindebezirk in Pořič 36. An dieser Adresse waren auch sein früherer Arbeitgeber und Onkel Julius Friedländer sowie seine Tante Emilie Friedländer gemeldet. Im März 1940 hoffte Walter Schwarz nach Shanghai fliehen zu können, aber wie bei seinen Eltern fruchteten auch bei ihm die Bemühungen um eine Flucht nicht. Im Herbst 1940 war er schließlich von der Unterstützung der Prager Kultusgemeinde abhängig. Ein Jahr später, wenige Wochen nach dem Tod seiner Mutter in Wien, hielt sich Walter Schwarz in einem Prager Bahnhof auf, was Jüdinnen und Juden aber bereits verboten war. Er wurde verhaftet und untersucht. Er trug unter anderem das „Trauer-Album“ für seine Mutter, ein Paket mit Wein, Füllfeder, Notizblock, eine Bartbürste und verschiedene Papiere mit sich. Seinen Onkel und Wohnungsgeber sowie seine Tante deportierte man im Oktober 1941 nach Łódź, das sie nicht überlebten, im Dezember verbrachte man Walter Schwarz nach Theresienstadt. Im Jahr darauf kam auch sein Vater aus Wien in dieses Lager. Inzwischen musste Walter Schwarz Margit Popper geheiratet haben. Man deportierte ihn am 15. Mai 1944 nach Auschwitz, wo er ermordet wurde.

(Autorin: Verena Wagner)

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