Bernhard Schwarz

Bernhard Schwarz kam 1876 als Sohn von Ignatz und Fanny Schwarz, geborene Lindner, in Gmunden zur Welt. Die Familie des Vaters stammte aus Tutschap (Tučapy, ČR), die Mutter kam aus Mißlitz (Miroslav, ČR) in Mähren. Bernhard Schwarz war das dritte von vier Kindern: Victor, der bald nach der Geburt 1872 starb, der 1873 in Gmunden geborene Ludwig und der 1878 in Ebensee zur Welt gekommene Jacob. Somit wuchs Bernhard Schwarz in Gmunden und Ebensee auf. Der Vater betrieb eine Gemischtwarenhandlung und die Mutter eine Schneiderei. Bernhard Schwarz und sein Bruder Ludwig waren musikalisch, Ludwig erlernte Klavier und Bernhard Geige. Bernhard Schwarz entdeckte schon früh sein künstlerisch-bildnerisches Interesse und besuchte nach der Pflichtschule die Fachschule für Holzschnitzerei und Holzverarbeitung in Ebensee. Danach setzte er seine Studien an einer keramischen Fachschule in Teplitz-Schönau (Teplice, ČR) fort, in der er bereits modellieren lernte. Darüber hinaus nahm er Unterricht an der Kunstgewerbeschule in Wien.

1906 heiratete Bernhard Schwarz die 1878 in Saaz (Žatec, ČR) zur Welt gekommene Berta Friedländer aus Petschau (Bečov nad Teplou, ČR). Das Ehepaar Schwarz lebte ab nun in Linz in einem Hinterhaus des Gebäudes Landstraße 71-75. Dort kam 1907 Sohn Walter zur Welt. Bernhard Schwarz nannte sich Modelleur bzw. Bildhauer und führte in diesem Haus auch ein Geschäft, in dem er seine Porzellan-, Glas-, Terrakotta- und Bronzewaren verkaufte. Er war Mitglied des Oö. Kunstvereins und stellte dort kleinere Plastiken aus. Es lag ihm allerdings viel daran, darüber hinaus große Kunstwerke und Denkmäler im öffentlichen Raum zu schaffen. Deshalb beteiligte er sich an Wettbewerben wie dem für ein Stifterdenkmal in Wien. Bernhard Schwarz dürfte wegen seiner moderaten Preise in Linz bekannt gewesen sein. Der Auftrag für ein Fliegerdenkmal auf dem Freinberg 1913 durch den Verein der Luftfahrt in Linz und zu Ehren des Erzherzogs Josef Ferdinand hätte sein Durchbruch als Künstler werden können. Doch das Werk, ein Ikarus aus Bronze, fand nicht nur positive Aufnahme. Bernhard Schwarz erhielt danach keine großen Aufträge mehr. Er arbeitete an Büsten und Kleinplastiken, nahm Totenmasken, wie bei Bürgermeister Dametz, ab und fertigte Plaketten für Denkmäler an. Dennoch erntete Schwarz auch gute Kritiken, man lobte seine große Treffsicherheit und gelungene Charakterisierung der Personen. Laut eigenen Angaben soll er zweimal den Rothschildschen Künstlerpreis erhalten haben. Er bot Kundinnen und Kunden eine Anfertigung von Porträts nach der Natur oder Fotografie sowie Reparaturen an. In der Fortbildungsschule an der Steingasse hielt er Modellierkurse.

Ab März 1938 stand die bescheiden lebende Familie Schwarz vorerst nicht im Fokus der Nationalsozialisten. Bernhard Schwarz suchte, trotz geringer finanzieller Mittel, nach Fluchtmöglichkeiten und schrieb viele Anfragen, die unbeantwortet blieben. Ein Ansuchen in Palästina als Hersteller von Reiseandenken, Spielzeug etc. in Holz und Keramik oder sogar als Lehrender zu wirken, wurde abgewiesen. Um die Zeit des Novemberpogroms war er in Haft, wenig später musste das Ehepaar nach Wien gehen. Noch bevor dort seine Frau Berta im Juni 1941 starb, versuchte Bernhard Schwarz – mit einem Arbeitsauftrag in Bolivien in Händen – Mittel für die Überfahrt von der Wiener Kultusgemeinde zu erhalten. Es gelang keine Flucht mehr, der Witwer Bernhard Schwarz wurde am 27. August 1942 nach Theresienstadt deportiert, zwei Wochen später starb er dort. Nur wenige Kunstobjekte und Denkmäler haben sich von ihm erhalten, einige fielen dem Krieg bzw. der Metallspende zum Opfer.

(Autorin: Verena Wagner)

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