Josef Sternschein
Josef Sternschein kam 1896 als Sohn des Uhrmachers Friedrich Sternschein und dessen Ehefrau Katharina, geborene Fantl, in Rosenberg (Rožmberk nad Vltavou, ČR) zur Welt. Sein Großvater Joachim Fantl und dessen Ehefrau Anna, geborene Elkan, lebten im südböhmischen Dub bei Wodnian (Vodňany, ČR) im Bezirk Strakonitz (Strakonice, ČR). Seine Vorfahren väterlicherseits waren schon seit Generationen in Rosenberg ansässig. Die Eltern Josef Sternscheins heirateten 1891 in Dub, wohnten aber in Rosenberg, wo seine drei Geschwister und auch Josef als Jüngster zur Welt kamen: Gisela 1892, Else 1893 und Oskar 1894.
Familie Sternschein übersiedelte Anfang Oktober 1905 nach Linz. Der Vater Friedrich Sternschein erhielt eine Anstellung durch die Israelitische Kultusgemeinde als Schächter und Tempeldiener. Josef Sternschein begann 1902 seine schulische Laufbahn in Rosenberg und – durch die Übersiedlung der Familie nach Linz – setzte er diese am 2. Oktober 1905 mit der vierten Klasse an der Knabenvolksschule Spittelwiese fort. Nach der fünften Klasse wechselte er in die dortige Bürgerschule und von 1911 bis 1913 an die Handelsakademie. Um diese Zeit zog die Familie von der Altstadt 4 an die Altstadt 1. Nach einem vorzeitigen Ausstieg aus der Schule nahm Josef Sternschein eine Arbeitsstelle an. 1917 versuchte er als Privatist einen zweiten Start an der Handelsakademie, allerdings um sich bald danach endgültig vom Schulleben zu verabschieden und ins Arbeitsleben einzusteigen. Er wurde Disponent und schließlich Prokurist in der Firma Camis & Stock, eine an der Raimundstraße 45 situierte Weinbrennerei und Cognac-Destillerie. 1919 dürfte sich Josef Sternschein in der zionistischen Ortsgruppe Linz engagiert haben. 1925 starb der Vater. Die unverheiratet gebliebenen Geschwister Josef und Else Sternschein, sie war Kontoristin, wohnten bei der Mutter Katharina Sternschein. Der Bruder Oskar heiratete und ging als Kaufmann eigene Wege. Die Älteste, Gisela Sternschein, arbeitete bei der Böhmischen Unionbank und heiratete ihren Cousin Oskar Dux. Im Februar 1935 zogen Josef, Else und Katharina Sternschein an die Stelzhamerstraße 2.
Im Zuge der Verfolgungsmaßnahmen gegen Jüdinnen und Juden durch das nationalsozialistische Regime ab März 1938 wurde Josef Sternschein im Sommer nach 20-jähriger Tätigkeit aus der Firma Camis & Stock entlassen. Der Betrieb hatte einen hohen Prozentsatz an jüdischen Angestellten, Arbeiterinnen und Arbeitern sowie Vorstandsmitgliedern, die nun alle im Zuge der „Arisierung“ aus dem Unternehmen ausscheiden mussten. Die noch als tschechischer Staatsbürger bzw. -bürgerin geltenden Geschwister Josef und Else Sternschein sowie ihre Mutter flohen am 1. September 1938 aus Linz Richtung Prag. Sie wohnten im 14. Prager Gemeindebezirk, wo sich die älteste Schwester Gisela Dux und ihr Mann bereits niedergelassen hatten. Als erste verschleppte man Katharina Sternschein im Juli 1942 nach Theresienstadt, am 10. August 1942 kam Josef Sternschein dort an und als letzte – im Oktober desselben Jahres – Else Sternschein. Diese wurde 1943 von dort nach Auschwitz deportiert, das sie nicht überlebte. Noch ehe sie in Theresienstadt eingetroffen war, hatte man Josef Sternschein und seine Mutter bereits am 19. Oktober 1942 nach Treblinka deportiert. Sie sind wie Gisela und Oskar Dux sowie Oskar Sternschein als Opfer der Shoah zu beklagen.
(Autorin: Verena Wagner)