Katharina Sternschein
Katharina Sternschein kam 1861 als Katharina Fantl und Tochter des Händlers Joachim Fantl und dessen Ehefrau Anna, geborene Elkan, im südböhmischen Dub bei Wodnian (Vodňany, ČR) im Bezirk Strakonitz (Strakonice, ČR) zur Welt. Sie hatte mindestens eine Schwester, die 1859 geborene Rosa Fantl, die den Metzger Salomon Dux aus Dub heiratete. Aus dieser Ehe gingen viele Kinder hervor: Malvine, Oskar, Hedwig, Irma, die Zwillinge Rudolf und Leo, Franz und Martha. 1891 heiratete die 29-jährige Katharina Sternschein in der Synagoge Dub den 36-jährigen Uhrmacher Friedrich Sternschein aus Rosenberg (Rožmberk nad Vltavou). Die Trauung nahm der Budweiser Kreisrabbiner Adam Wunder vor und als Zeugen standen der Vater des Bräutigams und der Schwager der Braut, Salomon Dux, bei. Katharina Sternscheins Mann war 1854 als Sohn des Handelsmannes Ignaz Sternschein und der Rosalia, geborene Pollack (oder Pollacek) in Rosenberg zur Welt gekommen. Friedrich Sternscheins Vorfahren waren schon seit vielen Generationen in Rosenberg ansässig. Einige von ihnen hatten sich bald nach 1849 Oberösterreich zugewandt. Katharina und Friedrich Sternschein blieben vorerst in Rosenberg, wo auch ihre Kinder geboren wurden: Gisela 1892, Else 1893, Oskar 1894 und Josef 1896.
Familie Sternschein kam Anfang Oktober 1905 nach Linz und bezog eine Wohnung im Haus Carla Höflichs an der Altstadt 4. Katharina Sternschein dürfte vor allem im Haushalt tätig gewesen sein, die beiden Söhne besuchten die Volks- und Bürgerschule. Ihr Mann erhielt eine Anstellung als Beamter der Israelitischen Kultusgemeinde in Linz. Er war als Schächter und Tempeldiener bis Ende des Jahres 1919 dort tätig. Erst in diesem Jahr meldete er sein Uhrmachergewerbe in Linz an. Im Sommer 1923 musste sich die 62-jährige Katharina Sternschein für zehn Tage einer Behandlung in einer Wiener Privatklinik unterziehen. Die Familie wohnte mittlerweile an der Altstadt 1. Die älteste Tochter, Gisela, wurde Bankbeamtin und heiratete ihren Cousin Oskar Dux. Die Kontoristin Else Sternschein blieb ledig und im Haushalt der Mutter wohnend. Oskar Sternschein arbeitete als Papierhändler und -erzeuger und Josef Sternschein als Prokurist der Firma Camis & Stock.
1936 zogen Katharina Sternschein und ihre Tochter Else – beide als „Private“ bezeichnet – sowie der unverheiratet gebliebene Sohn Josef Sternschein an die Stelzhamerstraße 2. Sie sind auch im Juni 1938 noch dort zu finden, allerdings bereits – mit dem „Anschluss“ Österreichs an das nationalsozialistische Deutschland – den Maßnahmen gegen Jüdinnen und Juden ausgesetzt. Da alle drei noch die tschechische Staatsbürgerschaft besaßen, flohen bzw. vertrieb man sie am 1. September 1938 nach Prag. Im Lauf des Sommers 1942 deportierte man Katharina Sternschein und ihre beiden Kinder nacheinander von ihrer letzten Adresse „an der Pankratzer Wagenhalle“, im Prager Bezirk Nusle, nach Theresienstadt. Von dort verschleppte man Else nach Auschwitz, das sie nicht überlebte. Katharina Sternschein und ihr Sohn Josef hingegen wurden im Oktober 1942 nach Treblinka deportiert, sie sind – so wie auch Oskar Sternschein – als Opfer der Shoah zu beklagen. Tochter Gisela und Schwiegersohn Oskar Dux fanden in Auschwitz den Tod. 1944 beschäftigten sich die Gestapo Linz und der Oberfinanzpräsident Oberdonau mit Katharina Sternscheins zurückgelassenem Besitz, einem Grundstück in Rosenberg. Das gesamte Vermögen Katharina Sternscheins hatte man dem Zentralamt für die Regelung der Judenfrage in Böhmen und Mähren – Auswanderungsfonds – zugeführt.
(Autorin: Verena Wagner)