Marianne Lenk
Marianne Lenk kam 1917 in Linz als Tochter des Dr. Paul und der Margarethe Lenk, geborene Köhler, zur Welt. Ihr Vater war Rechtsanwalt in Linz und stammte aus Karlsbad (Karlovy Vary, ČR). Seine einzige Schwester, Frieda Lenk, heiratete 1917 in Karlsbad den Badearzt Dr. Otto Lederer. Die Mutter Marianne Lenks kam ebenso aus einem nordböhmischen Badeort, aus Teplitz (Teplice, ČR), und war dort als Tochter eines Handelsmannes mit sechs Geschwistern aufgewachsen. Noch bevor Marianne Lenks Eltern 1917 in Wien heirateten, wurde Paul Lenk im Ersten Weltkrieg schwer verwundet. Nach seiner Genesung war er weiterhin an der italienischen Front im Einsatz. Marianne Lenks Mutter hatte sich vor der Eheschließung als Verkäuferin in Wien betätigt. Wenige Wochen vor der Geburt Marianne Lenks, sie blieb das einzige Kind des Ehepaares, zogen ihre Eltern nach Urfahr. Als Marianne ein gutes halbes Jahr alt war, suchten Paul und Margarethe Lenk nach einem „verlässlichen, besseren Kindermädchen mit angenehmem Äußeren, das auch im Häuslichen mithilft“.
Ab Herbst 1924 besuchte Marianne Lenk die Mädchenvolksschule in Urfahr an der Schulgasse. Ihre Lehrkraft Marie Lindenthaler beschrieb sie als sehr lebhaftes, aufgewecktes und ehrgeiziges Kind. Die Familie übersiedelte aber bald danach an die Stockhofstraße 11 und bezog eine Wohnung im Parterre. Damit wurde auch ein Schulwechsel nach Linz notwendig. Ab Herbst 1928 setzte Marianne Lenk ihre schulische Laufbahn an den Städtischen Mädchenmittelschulen an der Körnerstraße 9 fort. Sie hatte viele Freudinnen und Freunde, unter anderem Grete und Hans Taussig, Edith Schiller, Martha und Sylvia Eisenberg, Melitta und Lily Sand, Erwin und Otto Popper, Walter Schneeweiß sowie Rudolf, Robert und Ilse Löwy. Sie waren alle Mitglieder des zionistischen Jugendbundes „Blau-Weiß“, dem einige Zeit Marianne Lenks Vater als Obmann vorstand. Man traf sich, um zu wandern, singen, lesen, diskutieren, spielen, und erhoffte sich, frei von Antisemitismus Gemeinschaft erleben zu können. Marianne Lenk verließ die Schule nach der 5. Klasse Realgymnasium. Ab Oktober 1936 lebte sie in Wien und besuchte die private Sprachschule Weiser. Sie wohnte dazu für kurze Zeit im Mädchen-Pensionat von Marie Huber, danach nur mehr in privater Untermiete.
Ende Juni 1938 musste Marianne Lenk die Sprachschule verlassen, mit März 1938 waren sie und ihre Eltern, so wie alle Jüdinnen und Juden im Deutschen Reich, den Verfolgungen der Nationalsozialisten ausgesetzt. Zu diesem Zeitpunkt mit Robert Löwy befreundet, konnte ihre Familie den obdachlos gewordenen Mitgliedern der Familie Löwy noch Unterkunft bieten. Doch wenig später wurde auch die gastfreundliche Familie Lenk von Nationalsozialisten brutal aus ihrer Wohnung geworfen. Marianne Lenk musste mit ihren aus Linz vertriebenen Eltern im „Hotel de France“ am Schottenring logieren. Kurzzeitig wohnte sie an der Liechtensteinstraße und als letzte Adresse vor ihrer Flucht gilt die Westbahnstraße 27, dorthin waren auch ihre Eltern übersiedelt. Marianne Lenk floh am 14. Februar 1939 Richtung London. In weiterer Folge kam sie nach Palästina und heiratete dort Robert Löwy. Beide verbanden die Heimatstadt Linz und eine Mitgliedschaft im Linzer Jugendbund „Blau-Weiß“. Robert Löwy war in Linz Handelsangestellter in der Firma seines Vaters, Breth & Löwy, gewesen und hatte sich als erster der Familie nach Palästina retten können. Marianne Lenk, verheiratete Löwy, bekam zwei Kinder. Sie starb am 1. Oktober 1972 erst 55-jährig und liegt in Kiryat Tivon begraben. Ihre Eltern wurden Opfer der Shoah so wie auch ihre Schwägerin Ilse Löwy.
(Autorin: Verena Wagner)