Margarethe Lenk
Margarethe Lenk kam 1892 als Margarethe Köhler und Tochter des Agenten Moritz Köhler und der Emilie, geborene Kuh, in Teplitz (Teplice, ČR) zur Welt. Ihre Großeltern väterlicherseits waren der Teplitzer Schneidermeister Salomon Köhler und Julie, geborene Kohn. Die Eltern ihrer Mutter hießen Ludwig Juda und Franziska Kuh, geborene Bloch. Margarethe Lenk war das fünfte Kind, sie hatte vier ältere und zwei jüngere Geschwister: Ernst, Olga, Ernestine, Robert, Julie und Luise. Sie wuchs in Teplitz auf und dürfte früh nach Wien gegangen sein. Dort scheint die 19-Jährige im März 1912 erstmals in den Meldedaten auf. In den folgenden fünf Jahren wird sie abwechselnd als Verkäuferin und Kontoristin bezeichnet.
Noch während des Ersten Weltkriegs, im März 1917, heiratete sie in Wien in der Garnisonssynagoge der Rossauer Kaserne den aus Karlsbad (Karlovy Vary, ČR) stammenden Juristen Dr. Paul Lenk. Margarethe Lenk dürfte unmittelbar nach der Eheschließung nach Linz gezogen sein. Im Oktober 1917 kam das einzige Kind, Marianne, zur Welt. Einige Monate später suchte das Ehepaar Lenk nach einem „verlässlichen, besseren Kindermädchen mit angenehmem Äußeren“, das auch im Häuslichen mithilft. Es bot dem Mädchen im Gegenzug „gute Kost“ und „gute Behandlung“. Margarethe Lenk widmete sich ab nun dem Kind und dem Haushalt. Mode und das Einkaufen von Kleidung sollen ihr aber weiterhin wichtig gewesen sein. Im August 1926 sind Margarethe Lenk und ihre Tochter in den Bad Ischler Badelisten zu finden. Sie nahmen dort im Hotel Ischler Hof ihr Quartier. Um das Jahr 1933 zog Familie Lenk in den „Ankerhof“ gegenüber dem Linzer Volksgarten. 1934 starb der Bruder von Margarethe Lenk, der Kaufmann Robert Köhler, ganz plötzlich aufgrund eines Herzschlags auf dem Teplitzer Fußballplatz und hinterließ ihr ein Erbe. Margarethe Lenk nahm am Leben der Tochter, die eine höhere Schule besuchte, Anteil. Sie ist auf Fotos bei einem Fest der zionistischen Jugend, der Marianne Lenk angehörte, im Landheim in Pulgarn aufgenommen, zu sehen.
Ab März 1938 wurde das Ehepaar Lenk – gleich allen Jüdinnen und Juden in Österreich – von den Nationalsozialisten brutal verfolgt. Am 13. Juli 1938 gaben beide ihr verpflichtendes Vermögensverzeichnis ab. Der Besitz Margarethe Lenks bestand vor allem in Spareinlagen, unter anderem aus der Erbschaft ihres Bruders Robert Köhler, und in Schmuck. Mitte September 1938 wurde die Familie von einem deutschen Major brutal aus ihrer Wohnung hinausgeworfen. Die Möbel, die er nicht benützte, stellte er auf den Gang. Aus Linz nach Wien vertrieben scheint das Ehepaar Lenk, wie viele andere Jüdinnen und Juden, sich auf eine Flucht vorbereitet zu haben. Doch es kam anders, nach der Ausreise ihrer Tochter im Februar 1939 Richtung England blieben sie in Wien zurück. 1942 deportierte man Margarethe und Paul Lenk nach Theresienstadt, Kontakte mit der Tochter bestanden noch. Diese brachen mit dem 28. Oktober 1944 ab, denn man setzte beide auf den letzten Transport nach Auschwitz. Dieser soll mehrere Tage gedauert haben, in einem Viehwaggon ohne Wasser und Licht sowie kaum Luft, eine Fahrt ins Ungewisse, gedrängt aneinander stehend, oft zwischen Toten. Nachts angekommen, wurden alle an der Rampe ausgeladen. Margarethe Lenk und ihr Mann sind als Opfer der Shoah zu beklagen.
(Autorin: Verena Wagner)