Dr. Paul Lenk

Dr. Paul Lenk kam 1887 als Sohn des Kaufmannes Wilhelm Lenk und der Franziska, geborene Kellner, in Karlsbad (Karlovy Vary, ČR) zur Welt. Sein Großvater Nathan Lenk war nach Karlsbad gezogen, um dort 1864 seine Firma „Tuch-, Schnitt-, Leder- und Strumpfwarenhandlung“ registrieren zu lassen. Dieser brachte es bis zum Besitzer des Hauses „Vulkan“ gegenüber den Mühlbrunnkolonnaden. Eine Haushälfte erbte Paul Lenk 1935. Seine Mutter, Franziska Lenk, stammte aus Saaz (Žatec, CR). Paul Lenk hatte zwei Geschwister, der ältere Bruder starb kurz nach der Geburt, die jüngere Schwester, Frieda, kam 1891 zur Welt. Er wuchs in Karlsbad auf und besuchte ab Herbst 1898 das dortige Gymnasium. Nach der Matura 1906 ging er nach Wien, um Rechtswissenschaften zu studieren. In Linz scheint Paul Lenk erstmals 1911 für kurze Zeit als Jurist und Kadett im 14. Infanterie-Regiment auf. 1913 promovierte er in Wien, ab 1914 wohnte er dauerhaft in Linz, allerdings wurde er gleich zu Beginn des Ersten Weltkriegs eingezogen und zählte zu den ersten Verwundeten des Hessenregiments. Paul Lenk dürfte seine Frau Margarethe Köhler während seines Studiums in Wien kennengelernt haben, das Paar heiratete dort 1917. Margarethe Lenk war die Tochter eines Agenten in Teplitz (Teplice, ČR). Das Ehepaar bezog eine Wohnung in Urfahr, dort kam im Herbst 1917 Tochter Marianne zur Welt.

Unmittelbar nach Kriegsende trat Dr. Paul Lenk als Rechtsanwaltsanwärter in die Kanzlei von Dr. Hermann Schneeweiß ein und blieb dort sein Kanzleipartner bis 1938. Er ist ab 1921 als Verteidiger für Strafsachen zu finden. In uneigennütziger Weise stellte er sich der „Rechtshilfestelle für Bedürftige“ zur Verfügung und hielt in der Rechtsschule Vorträge. Er war wie Schneeweiß Sozialdemokrat und aktives Mitglied des Vereins „Bʼnai Bʼrith“. Paul Lenk beteiligte sich mäßig innerhalb der Kultusgemeinde, ab 1933 fungierte er als Obmann des zionistischen Jugendbundes „Blau-Weiß“. Um diese Zeit übersiedelte die Familie in den „Ankerhof“ gegenüber dem Volksgarten. Lenk war ein großer Musikliebhaber, besaß über 500 Schallplatten und soll beim Hören der Musik mit einem Dirigentenstab mitdirigiert haben.

Ab März 1938 war Familie Lenk – gleich allen Jüdinnen und Juden in Österreich – den grausamen Verfolgungen der Nationalsozialisten ausgesetzt. Die Gestapo beschlagnahmte sofort die Kanzleigelder, Dr. Lenk und Dr. Schneeweiß wurde die Ausübung ihres Berufs verboten. Ab Mitte September war Lenk genötigt, seine Wohnung in Linz zu räumen und mit seiner Frau und der minderjährigen Tochter teils in Gasthöfen, teils in möblierter Untermiete zu wohnen und sich zu verköstigen. Nach Wien vertrieben floh die Tochter als erste der Familie im Februar 1939. Auch das Ehepaar Lenk hatte eine Flucht im Auge und Verwandte in den USA. Schließlich blieben sie aber aus unbekannten Gründen weiter in Wien und um 1940 ist bestätigt, dass Dr. Paul Lenk für die Israelitische Kultusgemeinde Wien, Wanderungsabteilung-Provinzreferat, arbeitete. Dort musste er beispielsweise kontrollieren, ob Personen, die aus der Provinz nach Wien kamen, noch dem Judentum angehörten und auf eine Unterstützung der Kultusgemeinde Anrecht hatten. Das Ehepaar Lenk musste mehrmals seine Wohnung wechseln und zog zuletzt für einen Monat an die Zirkusgasse 27/I/4. Am 1. Oktober 1942 deportierte man Dr. Paul Lenk und seine Frau nach Theresienstadt. Dort standen sie noch bis Oktober 1944 mit ihrer Tochter in brieflichem Kontakt. Am 28. Oktober 1944 – mit dem letzten Transport aus Theresienstadt – verschleppte man sie in das Konzentrationslager Auschwitz, das sie nicht überlebten.

(Autorin: Verena Wagner)

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