Oskar Sonn

Oskar Sonn kam 1896 als Sohn des Sigmund und der Julie Sonn, geborene Pollak, in Linz zur Welt. Er hatte einen älteren Bruder, den 1893 geborenen Max. Oskar Sonn wuchs in der Linzer Neustadt auf und besuchte ab Herbst 1902 die Knabenvolksschule an der Goethestraße. Er und sein Bruder waren ausgezeichnete Schüler. Im Mai 1904 zog die Familie an die Stockhofstraße 11. Im Herbst 1907 wechselte Oskar Sonn an die Realschule und für die Oberstufe an die Handelsakademie. Zu den kleinen Freizeitvergnügen des Jugendlichen zählten nachmittägliche Stadtbummel mit jüdischen Freunden. Er diente im Militär der ehemaligen österreichischen-ungarischen Monarchie zwei Jahre in der Infanterie als Fähnrich der Reserve.

Oskar Sonn teilte mit seinem älteren Bruder die Liebe zum Zionismus. Während Max durchaus streitbar und kämpferisch sich nach dem Ersten Weltkrieg in die Kultusgemeindepolitik einbrachte, war Oskar zurückhaltender. Beide Brüder waren Mitglieder des Einzelvereins Linz des „Zion“-Verbandes. Oskar Sonn scheint in der Funktion eines Schriftführers dieses Vereins zum ersten Mal 1920 auf. Die Mitstreiterinnen und -streiter dieser Organisation waren alle Zionistinnen und Zionisten, die nicht nur vor Ort, sondern österreichweit selbstbewusst mit ihrer Ideologie die alten konservativen Gremien aufzumischen wussten. Auch im übergeordneten „Zionistischen Landesverband Oberösterreichs“ übte der nunmehrige Angestellte Oskar Sonn für viele Jahre das Amt des Schriftführers aus. In diesen Vereinen traf er auf den etwas jüngeren Alexander Spitz, der mit seinem Vater und Bruder die Weinhandlung Ferihumer in Urfahr führte. Als nach langer Pause von acht Jahren die Linzer Kultusgemeinde 1928 wieder ein Gemeindeblatt drucken konnte, leistete Oskar Sonn hier für sechs Jahre die Arbeit eines Schriftleiters. Während sein Bruder in Salzburg bereits im Kultusrat der jüdischen Gemeinde die Zionistinnen und Zionisten vertrat, kandidierte Oskar Sonn in Linz anlässlich von Kultusgemeindevorstandswahlen 1929 nur in der Ersatzliste. Erst im Herbst 1934, nach folgenschweren Veränderungen im Kultusvorstand Linz und einer erstmaligen Majorität der zionistischen Fraktion, rückten Dr. Karl Schwager, Oskar Sonn und Alexander Spitz aus der zionistischen Ersatzliste in den Vorstand nach. Bei den nächsten Wahlen fungierte Oskar Sonn aber nur mehr als Kommissär. 1933 starb sein Vater Sigmund Sonn. In dieser Zeit begann er als Verkaufsorganisator in der Weingroßhandlung Ferihumer Linz zu arbeiten, die sein zionistischer Freund Alexander Spitz führte.

Ab März 1938 brach aufgrund brutaler Verfolgungen durch die Nationalsozialisten unter der jüdischen Bevölkerung Panik aus, überproportional viele Selbstmorde sind zu verzeichnen. Am 19. März begingen Alexander Spitz, sein Bruder und seine Mutter Selbstmord. Den Weinhandel übernahm ein kommissarischer Leiter, der am 31. Juli 1938 Oskar Sonn aus der Firma entließ. Nach der Vertreibung nach Wien konnte Oskar Sonn schließlich im Dezember 1939 mit Mutter, Bruder und Schwägerin in die USA fliehen. Dort traf er eine andere vertriebene Linzerin wieder, Ernestine Gans. Sie heirateten im Herbst 1943, im Jänner 1945 kam die einzige Tochter Juliette zur Welt. Diese wurde nach der Großmutter Julie Sonn benannt, die neun Monate zuvor verstorben war. Nach langen Verhandlungen wurde der Familie ein Teil des ehemaligen Besitzes in Leonding finanziell abgegolten. Oskar Sonn starb 1986 in Santa Barbara in Kalifornien, seine Frau folgte ihm fünf Jahre später nach.

(Autorin: Verena Wagner)

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