Rachel Lea Vogelfänger

Rachel Lea Vogelfänger kam 1869 als Rachel Lea Zimmermann in Lemberg (Lwiw, Ukraine) zur Welt. Ihre Eltern waren Leon Zimmermann und Antonia, geborene Tabak. Sie dürfte in Lemberg aufgewachsen sein und hatte mindestens zwei Geschwister, Emil Chaim und Ludwig Zimmermann. Beide verschlug es später, wie Familie Vogelfänger, aus dem Osten der Monarchie nach Linz. Um 1890 heiratete Rachel Lea Zimmermann den ebenso in Lemberg geborenen Naftali Vogelfänger. Er war als Sanitätsfeldwebel in Mostar (Bosnien Herzegowina) tätig. Dort wurden auch ihre ersten drei Kinder, Gustav, Anna und Gisela, geboren. Anfang November 1894 übersiedelte Familie Vogelfänger nach Linz und 1895 kam hier eine weitere Tochter, Helene, zur Welt. Im Frühjahr 1900 wechselte die Familie nach Grein, dort wurde im Sommer 1900 Sohn Max geboren. Das jüngste Kind, Berta, kam 1902 wieder in Linz zur Welt, es starb allerdings mit dreieinhalb Jahren. Mit der Rückkehr nach Linz 1902 ist auch ein Berufswechsel Naftali Vogelfängers verbunden, der nun als Bahnmeister arbeitete. Während er bis zu seiner Pension im Jahr 1923 bei der Bahn angestellt blieb, wandte sich Rachel Lea Vogelfänger dem Handel zu.

Im Dezember 1913 begann sie vorerst mit Grammophonen und deren Zubehör, elektrischen Taschenlampen und Feuerzeugen sowie Mundharmonikas an der Landstraße 78 zu handeln. Sie ließ Werbezettel drucken und warb in Zeitungsinseraten mit besten Marken wie Engel, Zonophon und Favorit, Grammophonen mit Trichter und Schallplatten. Sie akzeptierte zudem Teilzahlungen und bot Reparaturen prompt und billigst an. Da sie sich als „Wiener“ Grammophonhändlerin bezeichnete, rief sie einen Konkurrenten, einen tatsächlichen Wiener Grammophon-Lieferanten, auf den Plan. Er beschwerte sich bei der städtischen Gewerbebehörde, dass ihm durch die Geschäftsbezeichnung Vogelfängers Schaden entstehe. Sie müsse sich zumindest mit ihrem Namen auf ihrem Geschäftsschild deklarieren, was Rachel Lea Vogelfänger schließlich auch tat. Die Artikel, die sie anbot, bezeugen, dass in der Familie Vogelfänger eine große Affinität zu Musik herrschte. Ende des Jahres 1914 änderte sie ihren Handel allerdings auf eine Krämerei. In dieser Phase dürfte 1920 ihr Bruder Emil Zimmermann, von Lemberg kommend, als Verkäufer in das Geschäft eingestiegen sein, um sich zwei Jahre später selbstständig zu machen.1924 kam es noch zu einer Standortveränderung der Krämerei an die Landstraße 103, allerdings schlitterte Rachel Lea Vogelfänger bald in einen Ausgleich und legte ihr Gewerbe zurück. Die letzte Adresse der Familie Vogelfänger bis 1938 an der Starhembergstraße 58 bot ihren sämtlichen Kindern und deren Familien immer ein Zuhause.

Nach dem März 1938 blieb das nahezu besitzlose Ehepaar vor Verfolgungen gegen Jüdinnen und Juden in Linz vorerst bewahrt. Es hatte großes Vertrauen, dass ihm nichts passieren würde. Dies war sicher auch ein Grund, dass keine Flucht angedacht wurde und Rachel Lea Vogelfänger ihrem aus Buchenwald entlassenen Bruder Emil Chaim Zimmermann 4.000 Reichsmark zu einem raschen Verlassen des Deutschen Reiches lieh. Ende November wurde das Ehepaar Vogelfänger aus Linz nach Wien vertrieben. Im Februar 1939 musste es sich dort von ihrer Tochter Anna Tomann und den Enkelkindern Helene und Henriette verabschieden, die nach Palästina flohen. Rahel Lea Vogelfänger deportierte man mit ihrem Mann am 26. Jänner 1942 von der Novaragasse 40 im 2. Wiener Gemeindebezirk nach Riga, wo beide zu Tode kamen. Ihre Kinder überlebten alle im Exil.

(Autorin: Verena Wagner)

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