Naftali Vogelfänger

Naftali Vogelfänger kam 1865 in Lemberg (Lwiw, Ukraine) zur Welt und war dorthin bis 1912 zuständig. Seine Eltern waren Salomon und Betty Vogelfänger, geborene Rothfeld. Naftali Vogelfänger heiratete um das Jahr 1890 die 1869 ebenso in Lemberg geborene Rahel Lea Zimmermann. Ihre Eltern waren Leon Zimmermann und Antonia, geborene Tabak. Die ersten drei Kinder des Ehepaares Vogelfänger kamen noch in Mostar (Bosnien Herzegowina) zur Welt. Anfang November desselben Jahres übersiedelten sie nach Linz und wohnten zuallererst im Gasthof zur Stadt Frankfurt und wenig später an der Weingartshofstraße. Der Wechsel von Mostar nach Linz dürfte dem Beruf Naftali Vogelfängers, er diente als Sanitätsfeldwebel, geschuldet gewesen sein. Eine weitere Tochter wurde in Linz, ein Sohn in Grein und das jüngste Kind wieder in Linz geboren. Die Familie führte, an ihren Wohnadressen gemessen, ein unruhiges Leben in Linz. Mit dem Umzug 1900 nach Grein und 1902 von dort wieder zurück nach Linz zeigt sich, dass Naftali Vogelfänger nun als Bahnmeister arbeitete und die Familie im Portierhaus der Bahn an der Wiener Reichsstraße wohnte. Naftali Vogelfänger war Mitglied des Musik- und Leichenbestattungsvereines der Eisenbahner in Linz. 1910 richtete er diesem Verein ein Faschingsfest aus. Während sich seine Frau Rachel Lea Vogelfänger dem Handel zuwandte, blieb Naftali Vogelfänger bis zu seiner Pensionierung im Jahr 1923 bei der Bahn tätig. Inzwischen war der Lebensmittelpunkt der Großfamilie die Wohnung an der Starhembergstraße 58 geworden, wo teilweise auch Söhne und Töchter mit ihren Familien einzogen.

Innerhalb der Kultusgemeinde ist Naftali Vogelfänger in den 1930er-Jahren in ähnlichen Gremien wie sein Schwager Emil Chaim Zimmermann zu finden. Er beteiligte sich im Fürsorgeausschuss der Kultusgemeinde. Ein Schwerpunkt seiner Mitarbeit lag in der Betreuung des Friedhofs. Vogelfänger und Zimmermann waren Vorstandsmitglieder der Chewra Gemilath Chesed. Gemeinsam mit Max Hirschfeld übernahm Naftali Vogelfänger ab 1936 das Amt des Friedhofinspektors. Ihn und sein Schwager Emil Zimmermann einte ebenso das Interesse am „Bund jüdischer Frontsoldaten“. Dort war auch sein Sohn Gustav Vogelfänger Mitglied. Das Ehepaar Vogelfänger soll noch länger als viele andere jüdischen Familien in Linz koscher gelebt haben, seine Kinder heirateten allerdings alle Christinnen und Christen, auch Tochter Anna, allerdings trat ihr Mann Anton Tomann zum Judentum über.

Nach dem März 1938, als alle Einrichtungen der Kultusgemeinde durch die Nationalsozialisten zerstört worden waren und nur mehr Max Hirschfeld als kommissarischer Leiter der Gemeinde im Auftrag der Gestapo notwendige Arbeiten verrichten musste, rief dieser noch am 11. Oktober 1938 eine letzte Friedhofskommission ins Leben. Ihr gehörte unter anderen Naftali Vogelfänger wieder als Friedhofinspektor an. Das nahezu besitzlose Ehepaar blieb vor den Verfolgungen von Jüdinnen und Juden in Linz anfangs verschont. Es glaubte, dass ihm nichts passieren werde, eine Flucht wurde deshalb nicht angedacht, während sich die Kinder unter Druck in alle Winde verstreuten. Doch wurden Naftali Vogelfänger und seine Frau noch Ende November 1938 von Linz nach Wien vertrieben. Dort wohnten sie mit ihrer Tochter Anna und den Enkelkindern Helene und Henriette zusammen, bis diese im Februar 1939 nach Palästina flohen. Schließlich deportierte man Naftali und Rachel Lea Vogelfänger am 26. Jänner 1942 von der Novaragasse 40 im 2. Wiener Gemeindebezirk nach Riga, wo sie nicht überlebten.

(Autorin: Verena Wagner)

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