Karoline Mostny
Karoline Mostny kam 1893 als Tochter des Kaufmannes Samuel Mostny und der Sidonie, geborene Grünwald, in Linz zur Welt. Sie hatte einen Zwillingsbruder mit Namen Fritz. Dieser starb aber bereits mit vier Jahren an Nierenentzündung. Ihr älterer Bruder Ernst war 1883 geboren worden. Samuel Mostny entstammte der in Linz weitverzweigten Familie Mostny aus Kalladey (Koloděje nad Lužnicí, ČR), allerdings scheint er der einzige der Brüder gewesen zu sein, der sich nicht in Urfahr der Likör- und Branntwein- bzw. Essigerzeugung zuwandte, sondern sich als Kaufmann von Galanteriewaren in Linz ansiedelte. Die Eltern Karoline Mostnys heirateten 1878 in Baden bei Wien. Ihre Mutter war die Tochter von Samuel und Lina Grünwald und stammte aus Steinamanger (Szombathely, Ungarn). In Linz war Sidonie Mostny im Israelitischen Frauenverein tätig. Familie Mostny lebte ab den 1890er-Jahren an der Landstraße 24. Das Geschäftslokal war um die Jahrhundertwende bis zu seiner Auflösung am Graben 3 situiert.
Das Ehepaar Mostny ließ ihren beiden Kindern eine gute Ausbildung zukommen. Karoline besuchte die Übungsvolksschule der Lehrerinnenbildungsanstalt und danach das Mädchenlyzeum. Wie in bürgerlichen Familien üblich, erlernte sie das Klavierspiel. Ein Jahr wohnte sie bei der Rabbinerfamilie Friedmann an der Bethlehemstraße 26. 1910 maturierte Karoline Mostny am Lyzeum mit Auszeichnung. Anders als bei ihrem Bruder Ernst, der nach der Matura in Wien Jus studierte, war eine universitäre Bildung für sie nicht vorgesehen. 1918 starb ihr Vater. Das Galanteriewarengeschäft am Graben ging in ihre und die Hände ihrer Mutter über. Karoline fungierte als Geschäftsführerin. 1929 legten Mutter und Tochter das Gewerbe zurück, zwei Jahre später starb Sidonie Mostny. 1936 wird Karoline Mostny als „Rentnerin“ bzw. „Private“ bezeichnet und 1938 als im Haushalt tätig. Sie und ihr Bruder Dr. Ernst Mostny, der seit 1923 als Rechtsanwalt arbeitete, wohnten weiter an der Landstraße 24.
Mit März 1938 setzte für das Geschwisterpaar, so wie für alle Linzer Jüdinnen und Juden, Verfolgung und Vertreibung ein. Im Herbst mussten Karoline Mostny und ihr Bruder Linz verlassen und eine Wohnung in Wien beziehen. Diese an der Praterstraße 66 gelegene Unterkunft war so desolat, dass das Geschwisterpaar auf eigene Kosten erst notwendige Reparaturen vornehmen musste. Deshalb dürfte Karoline Mostny bereits ab Ende September 1938 vorerst bei Clementine Töpfer – sie und ihr zweiter Mann Dr. Ludwig Töpfer waren in Linz aufgewachsen – Unterschlupf gefunden haben. Das Haus Praterstraße 66 musste auch anderen Jüdinnen und Juden in Form von Sammelwohnungen dienen. Dr. Ernst Mostny konnte diesem tristen und aussichtslosen Leben schließlich nicht mehr standhalten und beging im April 1940 Selbstmord. Karoline Mostny musste ein Monat später ihre Wohnung wechseln. Sie versuchte in letzter Minute, im März 1941, noch eine Flucht nach Shanghai zu organisieren, doch es gelang ihr keine Ausreise mehr. Am 2. Juni 1942 deportierte man Karoline Mostny in das Vernichtungslager Maly Trostinec, das sie nicht überlebte.
(Autorin: Verena Wagner)