Kurt Sternschein

Kurt Sternschein kam 1904 als Sohn des Albert Sternschein und dessen Ehefrau Ida, geborene Winternitz, in Linz zur Welt. Ida Winternitz stammte aus Nürschan (Nýřany, ČR), während Familie Sternschein fest mit der Stadt Rosenberg an der Moldau (Rožmberk nad Vltavou, ČR) verbunden war. Als einer der ersten der Familie siedelte sich der Antiquar Salomon Sternschein, der Urgroßvater von Kurt Sternschein, in Linz an. Dessen Sohn Wolfgang Sternschein, Eisenhändler in Rosenberg, war der Vater von Albert Sternschein, der um 1890 in Linz an der Landstraße 24 eine Agentur eröffnete. Die Eltern von Kurt Sternschein heirateten 1896 in Prag. Anschließend kamen fünf Kinder in Linz zur Welt: Arthur 1897 (er fiel im Ersten Weltkrieg), Leo 1899, Friedrich 1900, Irma 1902 und schließlich als Jüngster Kurt Sternschein 1904. 1902 erhielt die Familie das Heimatrecht in Linz. Sie dürfte sehr musikalisch und musisch begabt gewesen sein. Arthur lernte Geige, Leo musizierte, Irma spielte Gitarre und Friedrich machte als begabter Innenarchitekt Karriere.

Kurt Sternschein besuchte die Volksschule an der Spittelwiese und wechselte dann für vier Jahre an die Realschule. Danach besuchte er bis 1921 die neu eröffnete Knabenhandelsschule. Seine Mutter verstarb 1925 und sein Vater, langjähriger Obmann der Chewra Kadischa, 1927. Als Jüngster war er dafür vorgesehen, das Geschäft des Vaters zu übernehmen. Mitte Februar 1928 meldete Kurt Sternschein als Inhaber der protokollierten Firma A. Sternschein den Betrieb einer Handelsagentur an der Landstraße 24 an. Wie sein Vater und seine älteren Geschwister war er von Kindheit an in die Arbeit und Angebote der Kultusgemeinde eingebunden. Er trat bei Chanukkafeiern oder Theaterveranstaltungen auf und war Ausschussmitglied des jüdischen Turn- und Sportvereins ITUS. Kurt Sternschein wandte sich schließlich dem Zionismus-Revisionismus zu, von dem es in Linz nur eine kleine Anhängerschar gab. Nach dem Austritt der Revisionisten aus der Zionistischen Weltorganisation 1935 gründete ihr „Führer“ Jabotinsky die „Neue Zionistische Organisation“. Wenig später wurde Kurt Sternschein mit anderen wie Robert Spitz, Ernst Hartmann und Max Kleiner in die Leitung der Linzer Ortsgruppe gewählt. Anlässlich von Kultusgemeindewahlen im Herbst 1935 kandidierte Kurt Sternschein für die Liste der Revisionisten. Danach dürfte er sich aber mehr und mehr aus dieser Arbeit zurückgezogen haben.

Kurt Sternschein blieb wie seine Schwester Irma, verheiratete Huppert, in der Wohnung seiner Eltern. Der ledig gebliebene Kaufmann unterlag ab März 1938 den grausamen Maßnahmen gegen Jüdinnen und Juden in Österreich. Er musste sein verpflichtendes Vermögensverzeichnis abgeben. Sein Besitz war lediglich die Agentur, deren Wert er mit etwas über 16.000 Reichsmark bezifferte. Die Brüder Sternschein entschlossen sich rasch zu einer Flucht nach Australien und konnten damit dem NS-Regime noch rechtzeitig entkommen. Kurt Sternschein stand seinen Geschwistern finanziell in dieser Situation bei und erreichte im Oktober 1938 Melbourne mittels Touristenvisum. Er änderte seinen Namen von Sternschein auf Sterne und diente von 1942 bis 1946 in der Armee. Beruflich dürfte er bei seinem Bruder Leo – auch er nannte sich in Australien Lionel Sterne – in dessen von diesem gegründeter Spielwarenerzeugung angestellt gewesen sein. 1944 erhielt Kurt Sterne die australische Staatsbürgerschaft und heiratete später. Er wohnte in einem Vorort von Melbourne und starb 1986.

(Autorin: Verena Wagner)

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