Karl Huppert

Karl Huppert kam 1892 als Sohn des Branntweinschänkers Ferdinand und der Anna Huppert, geborene Lichtwitz, in Wien zur Welt. Er wuchs in Wien auf und hatte mindestens vier ältere Geschwister, Paula 1880, Leo 1881 in Strebowitz (Trebovic, ČR), Henriette 1883 und Oskar 1888 geboren. 1907 lebten noch vier der fünf zum Teil erwachsenen Kinder bei der Mutter. Anna Huppert starb bereits 1909. Karl Huppert war zu diesem Zeitpunkt 17 Jahre alt. Er maturierte 1911 und suchte gleich danach über die Ferien eine Stellung als „Hofmeister“ auf dem Land. Anschließend studierte er an der Handelshochschule.

Karl Huppert kam 1920 nach Linz und begann beruflich mit einer Handelsagentur. 1921 gründete er mit seinem Bruder Oskar, der Chemiker war, eine offene Handelsgesellschaft zur Herstellung und zum Verkauf von medizinischen Giften und Präparaten. Ab 1927 scheinen Karl und Dr. Oskar Huppert getrennte berufliche Wege gegangen zu sein. Der Chemiker wurde für seine Eiweißforschungen international berühmt, während Karl Huppert in Linz den Betrieb für Anlage und Überprüfung von Buchführungen anmeldete. Darüber hinaus suchte er 1928 um einen Gewerbeschein für den Handel von Kanditen und Schokolade mittels Automaten an. Diese sollten an Straßenbahnhaltestellen und Wartehallen der Pöstlingberg-Bergbahn und vielen privaten Häusern sowie am Kolosseum-Kino angebracht werden. Im März 1931 heiratete Karl Huppert im Linzer Tempel Irma Sternschein. Sie war die Tochter von Albert und Ida Sternschein und wohnte seit ihrer Geburt an der Landstraße 24. Ihre vier Brüder hießen Arthur, Leo, Friedrich und Kurt Sternschein. Das Ehepaar Huppert wohnte nun an der Landstraße 24 und war in Linzer zionistischen Organisationen tätig, Karl Huppert war Mitglied der zionistischen Ortsgruppe. In den Vorstand der Israelitischen Kultusgemeinde gewählt, bewährte er sich von 1936 bis 1938 als Hausverwalter in der Betreuung der Häuser Bethlehemstraße 26 und Schubertstraße 29 sowie der Leichenhalle. Beruflich hatte Karl Huppert zuletzt das Amt eines Büroleiters der Filmverleihanstalt „Austria Film“ inne, die sein Schwager Leo Sternschein betrieb. Daraus resultierte auch eine Aufführung des Israel-Filmes „Das Land der Verheißung“ im Linzer Kolping-Kino. Im Jänner 1938 legte Karl Huppert sein Mandat im Kultusgemeindevorstand zurück. Dazu schrieb man in den „Mitteilungen“ für die jüdische Bevölkerung Oberösterreichs: „In Herrn Huppert verliert die Gemeindeverwaltung einen geschätzten Mitarbeiter, der sich um verschiedene administrative Geschäfte durch stille, sachliche, gewissenhafte Tätigkeit sehr verdient gemacht hat.“

Nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten am 12. März 1938 waren Karl Huppert und seine Frau, gleich allen Jüdinnen und Juden in Österreich, grausamen Verfolgungen ausgesetzt. Angesichts der Vertreibungsmaßnahmen versuchte Karl Huppert noch den Beruf des Kistentischlers und -anstreichers zu erlernen. Das Ehepaar hatte zu wenig Geld für eine Flucht in sichere Länder. Vermutlich waren es Hupperts Sprachkenntnisse in Französisch, die ihn und seine Frau Ende September 1938 zu einer Flucht nach Frankreich trieben. Dort holte ihn etwas später nochmals das mörderische Regime der Nationalsozialisten ein. Karl Huppert wurde am 17. August 1942 mit 996 Personen von Drancy nach Auschwitz deportiert, das er nicht überlebte. Er war einer von 30 Österreicherinnen und Österreichern auf diesem Transport. Seine Frau dürfte in Frankreich überlebt haben.1947 emigrierte sie zu ihren Brüdern, die sich alle nach Australien hatten retten können.

(Autorin: Verena Wagner)

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