Linzer Wirtschaft im Nationalsozialismus

Autor: Kurt Tweraser

VOEST-Hochöfen

Der Beitrag bietet eine Überblicksdarstellung der ökonomischen Entwicklung von Linz und Oberösterreich in der NS-Zeit. Er befasst sich mit der Beseitigung der Arbeitslosigkeit, der kurzen Periode der rüstungsorientierten Friedenswirtschaft, insbesondere der Neugründung strukturbestimmender Großindustrien (Hermann-Göring-Werke und Stickstoffwerke), den Grundproblemen der "friedensähnlichen" Kriegswirtschaft 1939 – 1941 und des totalen Krieges 1942 – 1945.

Linz war Teil der generellen Fortentwicklung der kapitalistischen Industriegesellschaft, in der allerdings die Weltwirtschaftskrise sowie die politischen und wirtschaftlichen Kräfte der Beharrung zu einer tief greifenden Transformationskrise, kulminierend im Ständestaat führten. Eine Lösung dieser Krise wurden von weiten Teilen der Bevölkerung vom Nationalsozialismus erwartet. Das "angeschlossene" Österreich wurde sofort in den Geltungsbereich des Vierjahresplanes einbezogen.

Von Anfang an überformte der Primat der Rüstung die Wirtschaft. Bereits 1940 setzte beim alten Mittelstand eine Ernüchterung ein, da seine Vorstellungen von der bevorzugten Berücksichtigung mittelständischer Wünsche vom NS-Regime nicht erfüllt worden waren. Das Scheitern der deutschen Wehrmacht vor Moskau und in Stalingrad führte zu weiteren mittelstandsfeindlichen Maßnahmen wie Betriebsschließungen, Auskämmaktionen, Dienstverpflichtungen und Ausländereinsatz.

Als Folge der Aufrüstung fand in Linz und im Gau Oberdonau ein Strukturwandel statt, dessen Gewinner die kapitalintensiveren Industrien mit fortgeschrittener Arbeitsteilung waren. Ein Kapitel beschäftigt sich mit der Entnazifizierung der Linzer und oberösterreichischen Wirtschaft. Die Wirtschaftssäuberung war durch die Annahme begrenzt, dass eine allzu strenge Entnazifizierung das Land eines Großteils der Wirtschaftselite berauben würde. Es kam zwar zu einer temporären, teilweisen sozialen Deklassierung der Nationalsozialisten, der jedoch eine Periode der Re-Integration folgte.

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