Linz vor 100 Jahren: Der Übersichtsplan von 1926

Der Übersichtsplan der Landeshauptstadt Linz dokumentiert den Zustand der Stadt in einer der schwierigen Phasen ihrer Geschichte. Die Folgen des Ersten Weltkrieges waren für Linz – wie auch für ganz Österreich – gravierend. Das Ende der Habsburgermonarchie brachte große Verwerfungen und die enge wirtschaftliche Vernetzung mit den ehemaligen Habsburgerländern fand schlagartig ein Ende. Das auf einen Kleinstaat reduzierte Österreich musste sich in vielerlei Hinsicht neu erfinden und neu aufbauen.

Die ersten Nachkriegsjahre waren von einer hohen Arbeitslosigkeit und einer noch höheren Inflation geprägt, die sich zu einer Hyperinflation auswuchs, die erst 1922 gestoppt werden konnte. Durch die Zuwanderung während des Ersten Weltkrieges war es in Linz zu einer Verschärfung der bereits davor existierenden Wohnungsnot gekommen. Im Jahr 1926 hatte die Stadt etwas über 100.000 Einwohner, wobei in dieser Zahl die erst kurz zuvor erfolgten Eingemeindungen enthalten sind: 1915 war St. Peter zu Linz gekommen, 1919 Urfahr mit Pöstlingberg und 1923 Kleinmünchen. Die Stadt versuchte der Wohnungsnot durch den Bau von Notwohnungen Herr zu werden. Diese wurden u.a. in frei gewordenen Kasernen eingerichtet. Ebenso wurden einfache Riegelwandbauten an der Derfflingerstraße und im Hühnersteig, die im Krieg als Materialmagazine gedient hatten, zu Wohnbaracken umgebaut.

Panoramapostkarte von Linz um 1910-1920 (JPG | 4,21 MB | Deutsch)

Politisch setzten sich in Linz nach der erstmaligen Einführung eines allgemeinen, direkten, gleichen und geheimen Wahlrechts im Jahr 1919 – das nun also auch Frauen ermöglichte zu wählen – die Sozialdemokraten durch. Bei der ersten Wahl erreichten sie 55,3% der Stimmen und beendeten damit eine 70 Jahre dauernde Vorherrschaft der Liberalen bzw. Deutschnationalen. Josef Dametz wurde Bürgermeister.

Auch bei den folgenden Wahlen blieben die Sozialdemokraten die dominierende Kraft. Wie im großen Vorbild, dem „Roten Wien“, das seit 1922 ein eigenes Bundesland war, wollte man kommunalpolitisch voranschreiten, insbesondere beim Wohnungsbau. Durch die politische Konstellation, eine sozialdemokratische Stadt in einem christlich-sozial regierten Land zu sein, blieben der Stadt im aufgeladenen politischen Umfeld der damaligen Zeit aber die dafür notwendigen Geldmittel verwehrt. Der städtische Wohnungsbau kam daher nur langsam voran und führte zu einer Verschuldung der Stadt. Die Wohnbauten an der Wimhölzelstraße wurden nur zum Teil realisiert und aufgrund des Finanzierungsproblems mussten die Bauten in der Garnisonsstraße, Sintstraße, Füchselstraße, Franckstraße und Rudolfstraße bescheidener ausfallen und mit einem geringeren Wohnstandard realisiert werden. Der Osten des Stadtgebiets war damals ein bevorzugtes Wohnbaugebiet, da er Nähe zur sich entwickelnden Industrie und günstige Grundstücke bot. Neben Wohnungsbau war aber auch der Aufbau sozialer Einrichtungen ein Ziel der damaligen Linzer Stadtregierung. So wurden Säuglingsheime und Kindergärten geschaffen und 1920 die Volksküche kommunalisiert, die dann 1927 in das heute noch bestehende von Curt Kühne entworfene Gebäude am Herbert-Bayer-Platz einzog. Ebenso ausgebaut wurde in diesen Jahren die städtische Infrastruktur. 1923 wurde das Gaswerk erneuert, ab 1925 stellte man die städtische Beleuchtung von Gas auf elektrisch um. Ab 1928 verstärkten Autobuslinien das sich bisher auf die Straßenbahnen beschränkende Netz des öffentlichen Verkehrs.

Der Übersichtsplan

Die Unterschiede zwischen 1926 und 2026 im Stadtbild sind zu zahlreich, um auch nur annähernd aufgezählt zu werden. Es sei daher nur auf ein paar wenige Punkte hingewiesen: Gut erkennbar ist die zunehmende Expansion der Stadt nach Osten. Dort befindet sich auch bereits der Arbeiter-Sportplatz als Symbol der damals starken Arbeitersportbewegung. An der Donaulände ist noch der alte Linzer Hafen zu sehen, inklusive Eisenbahnanbindung. Daran anschließend lag 1926 noch die Städtische Schwimmschule, die 1930 dann durch das Parkbad ersetzt wurde. Die umliegenden Orte, wie etwa das noch nicht eingemeindete Ebelsberg, hatten damals noch einen sehr dörflichen Charakter. So auch St. Peter, das später durch den Bau der Hermann-Göring-Werke im Nationalsozialismus komplett aus dem Stadtbild verschwinden sollte. Gut erkennbar sind auch die zahlreichen, noch einzeln stehenden landwirtschaftlichen Höfe rund um das Kerngebiet der Stadt.

Benutzungshinweis zum Übersichtsplan: Im mit Nr. 0 bezeichneten Scan findet sich eine Übersicht, die anzeigt, welcher Teil des Stadtgebiets auf welcher Teilansicht zu finden ist. Die dort vermerkte Nummer entspricht dem Namen des Scans.