Kurt Ungar

Kurt Ungar wurde 1899 in Wien geboren und wuchs mit seinen zwei jüngeren Geschwistern ab seinem siebten Lebensjahr getrennt vom Vater in Linz bei seiner Mutter und Großmutter an der Landstraße 44 auf. Da seine Mutter eine geborene Kafka war, wohnte man im Stamm-Haus der Firma „L. u. S. Kafka“, einem damals sehr erfolgreichen Obstverwertungsproduzenten.
Zu Beginn des Ersten Weltkriegs starb die Mutter Kurt Ungars. Noch als Schüler der Handelsakademie wurde er 1917 kriegsdienstverpflichtet. Nach einer Grundausbildung erlebte er einen kurzen Einsatz an der Front in Südtirol. In dieser Zeit begann er das Tagebuch-Schreiben. Die vier Hefte umfassenden täglichen Notizen geben Einblick in das Leben eines jungen Linzer Juden im Zeitraum von März 1917 bis Dezember 1918.

Ungars Erfahrungen beim Militär und im Feld nehmen darin breiten Raum ein. Der Schwerpunkt seines Freizeitinteresses lässt sich einerseits im Landstraßen-„Bummel“ und andererseits in der Mitgliedschaft des zionistischen Jugendbundes „Blau-Weiß“ erkennen. Im gemeinsamen Wandern, Lesen, Diskutieren, Feiern oder am schlichten Treffen mit Freundinnen und Freunden empfand er Sinn und Halt. Die Tagebucheintragungen vermitteln neue Einsichten in die bisher noch unbekannte Tätigkeit jüdischer Jugend in der österreichischen Provinz am Ende der Monarchie.

Später beruflich als Bankbeamter und Reisebeamter arbeitend bewies er viel Geschick. Dank Ungar hielt die Firma „Queen“-Werke, ein Reinigungsbesen und -mittel erzeugender Betrieb, auch den wirtschaftlich schlechten Zeiten stand. Allerdings verlor Kurt Ungar – aufgrund der ab März durchgreifenden, diffamierenden Maßnahmen des NS-Regimes – mit dem erzwungenen Verkauf seine Anteile. Es folgten Inhaftierungen und nur mit Mühe gelang ihm schließlich eine Flucht mit Frau und Kind nach Palästina.

Ungar zählt zur bescheidenen Zahl der Rückkehrer nach Linz. 1948 stellte er sich sofort in den Dienst der im Wiederentstehen begriffenen israelitischen Kultusgemeinde. Er übernahm die Arbeit eines Sekretärs und bekam damit eine Fülle vielfältiger inner- und übergemeindlicher Aufgaben übertragen. Bis zuletzt sich stark mit dem Judentum verbunden fühlend starb Kurt Ungar 1982 und wurde am jüdischen Friedhof in Linz begraben.

Kurt Ungar, aufgenommen im Jahr 1966

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